Fragen von Mauerseglerfreunden und Antworten von Erich Kaiser:
 
 

Immer mehr Besucher meiner Webseite schreiben mir E-Mails und richten Fragen an mich zum Thema: Aufzucht, Nisthilfen, Verhalten der Segler usw., dass ich beschlossen habe, einige der Fragen und Antworten zu veröffentlichen, um so möglichst viele Mauerseglerfreunde an den Informationen teilhaben zu lassen.

  Erich Kaiser hat mit seiner Leidenschaft für die Segler und seinem profunden Wissen in den vergangenen Jahren viel zu dieser Webseite beigetragen. Um sein großes Wissen über diese faszinierenden Luftbewohner anzuzapfen, habe ich ihn im Juni 2005 für mehrere Tage besucht, war sein Gast und habe vieles aus seiner über 40-jährigen Erfahrung über Mauersegler mit auf den Weg bekommen. Ihm bei seinen Beobachtungen in seiner großen Kolonie zuzusehen, war für mich ein großes Erlebnis. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt und tauschen unsere Erfahrungen aus.
Um z.B. verunsicherten Seglerfreunden, die nicht wußten, was sie mit einem jungen Segler machen sollten, in ihrer Not zu helfen, habe ich vielfach die E-Mails an E. Kaiser weitergereicht und bekam immer umgehend Antwort. Sie können sich auch gern direkt an Erich Kaiser wenden: kaiserapus@t-online.de

  E-Mail:  Frage
19.06.2009
 

<sabina.gleiss@web.de> schrieb:

Sehr geehrter Herr Kaiser,
von Herrn Roggel habe ich Ihre Mail Adresse. Ich hoffe, ich kann Sie etwas bezüglich Mauersegler fragen.
Wissen Sie, ab wann Mauerseglerjunge in der Lage sind zu schreien, und ob sie das überhaupt tun, solange sie im Nest sind. Jetzt sind sie doch sicher noch zu klein, oder?????
Und dann wüsste ich gerne, ob Sie wissen, wer von den erwachsenen Tieren den Nistplatz sucht und ob die Tiere den gefundenen Nistplatz dann bewachen, damit kein anderes Paar hineinkommt? Als letzte Frage, rufen sich die Eltern, um sich abzulösen beim Brüten und Füttern??
Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.
Ich habe riesige Freude an Seglern! Wir haben mindestens 4 Paare am Haus.
Herzliche Grüße

Sabina Gleiß

  Hallo Frau Gleiß,
Seglernestlinge schreien (rufen) niemals im Nest, das würden ihre Eltern als Herausforderung oder gar Bedrohung auffassen und sie umgehend angreifen. Einen rufenden Segler betrachten sie als Niszplatzkonkurrent und nicht als Nestling.

Bei der Nistplatzsuche herrscht Gleichberechtigung: Wer immer einen Nistplatz findet, nimmt ihn in Besitz, und "Hausbesitzer" finden auch schnell einen Partner! Auch bei der Rückkehr im Frühjahr herrscht absolute Gleichberechtigung, mal sind die Weibchen zuerst da, mal die Männchen. In meiner Giebelkolonie kann ich das gut beobachten. Oft sind bis zu 10 Nistplätze mit Einzelvögeln besetzt, und wenn die Partner nicht rechtzeitig eintreffen, bilden die unterschiedlichen Geschlechter von Nachbarboxen oft neue Paare, und wenn der verspätete Partner dann endlich eintrifft, muss er einen Kampf riskieren, um seinen vorjährigen Platz zurückzugewinnen.

Zu Ihrer letzten Frage zitiere ich aus meiner Arbeit "Geschlechtsbestimmung":

1) Ein Segler sitzt brütend auf dem Nest, als plötzlich ein zweiter einfliegt. Daraufhin ruft der brütende Vogel, wobei dieser Ruf entweder als Frage oder als Drohung zu verstehen ist, je nachdem, ob es sich bei dem Eindringling um den vertrauten Partner, oder um einen möglichen Konkurrenten handelt. Normalerweise ist es der Partner, der den Ruf (Frage) beantwortet, und damit ist die Lage entspannt. Später in der Saison, wenn der Vogel auf dem Nest die noch unbefiederten Jungen hudert, und sein Partner mit futtergefülltem Kehlsack einfliegt, verzichtet dieser wegen des hinderlichen Futterballens oft darauf, den fragenden Ruf zu beantworten. Manchmal akzeptiert der hudernde Vogel dieses lautlose Eindringen seines Partners. Gelegentlich jedoch, besonders wenn er durch die Anwesenheit von Wohnungssuchenden in Alarmbereitschaft versetzt wurde, zögert er nicht, den stummen Eindringling zu attackieren. Dieser ist dann in einem Konflikt: Gewöhnlich versucht er, die Attacken seines Partners ignorierend, zum Nest zu gelangen und dort seinen Futterballen loszuwerden, um sich dann akustisch zu identifizieren. Wenn ihm jedoch die Attacken des Partners zu heftig werden, sieht er sich manchmal gezwungen, sich trotz des vollen Kehlsacks akustisch zu identifizieren, wobei dieser Ruf durch den Futterballen etwas gedämpft klingt. Die Tatsache, daß der hudernde Vogel die Attacken auf seinen Partner so lange fortsetzt, bis dieser sich akustisch identifiziert hat, ist ein klarer Beweis dafür, daß er über keine andere Möglichkeit verfügt , ihn zu erkennen!

Mit freundlichen Grüßen

Erich Kaiser
  E-Mail:  Frage
04.05.2009
 

Von: Sylvia Weber [mailto:s-weber@lbv.de]
Gesendet: Montag, 4. Mai 2009 11:02
An: kaiserapus@t-online.de
Cc: Klaus Roggel,
Betreff: Frage zu Mauerseglerkämpfen mit Staren

Lieber Herr Kaiser,

ich wende mich an Sie, weil ich Ihren live-Beobachtungen von Mauerseglern mehr vertraue als allgemeiner Fachliteratur zum Mauersegler.

Im letzten Jahr haben wir hier in München einen 10 m hohen Mauerseglerturm als Ersatzmaßnahme errichtet (siehe Bilder in der Anlage). Der Turm wurde zu meiner großen Freude im selben Jahr von den Mauerseglern angenommen, etwa 10 bis 12 Einflüge haben wir festgestellt. Angelockt haben wir die Vögel mit der Mauersegler-CD.

Heuer haben sich zwei Starenpärchen in zwei Brutkammern eingenistet, sie füttern bereits ihre Jungen. Weil in München auch die anderswo in Scharen auftretenden Vogelarten wie der Star selten sind, stört mich das erst einmal überhaupt nicht. Wir beobachten den Turm seit 26.4. laufend, um festzustellen, ob die im Vorjahr ausgeprägte Ortstreue ausreicht, um genug Mauersegler wieder an ihre Nistplätze zu locken, oder ob wir Mitte Mai noch einmal mit der Lautanlage nachhelfen müssen.

Nun hat sich bei den letzten, und vor allem der gestrigen Abendbeobachtung folgendes gezeigt: Etwa 9 Mauersegler sind mittlerweile zurück (Ankunft heuer sehr tröpfchenartig), und sie fliegen einige Nistplätze sehr gezielt an, was für eine ausreichende Prägung spricht. Leider werden sie gerade in der letzten abendlichen Einflugstunde von den beiden Starenpartnern am Einflug gehindert. Jeweils ein Starenpartner bleibt am Nistplatz bei den Jungen (die mittlerweile satt sind und kaum mehr betteln), der "freie" Partner setzt sich immer wieder in unterschiedliche Nisthöhlen, hält Ausschau nach den anlandenden Seglern und stürzt sich dann todesmutig heraus auf die anfliegenden Segler, wie der Teufel auf die arme Seele. Manchmal sitzt er auch auf dem Dach und versucht, die überfliegenden Segler zu schrecken. Das hat in nahezu allen Fällen dazu geführt, dass die Segler abdrehen mussten. Manchmal dringen die Stare auch in Nisthöhlen ein, in denen bereits ein oder zwei Segler sitzen, dann hört man den daraus resultierenden Kampf. In den meisten Fällen flog nach heftigem Flattern und jämmerlichen Piepen (ich kann keine Vogelsprache, aber die Laute klangen mehr nach Mauersegler als nach Star) ein Mauersegler, dicht gefolgt vom Star, wieder heraus. Etwa die Hälfte der Segler musste so nach einigen Versuchen passen und schritt zur Luft- oder Freiübernachtung, weil es zu dunkel geworden war, um noch ins Loch zu treffen. Nur in einem Fall flog ein Mauersegler in das zweite, von Staren besetzte Loch. Hier piepste es nach heftigem Kämpfen eher "Starenhaft", kurz darauf flogen zwei aufgeregte Stare in die umliegenden Bäume und schimpften. Wir konnten nicht beobachten, ob sie bei Dunkelheit zurück in das Nest gelangten, und fürchten um die Starenbrut.

Nun sind mir Kämpfe zwischen Mauersegler und Star aus der Fachliteratur bekannt, und es wird berichtet, dass diese meist pro Mauersegler ausgehen. Leider befürchte ich, dass durch die Störungen weder Mauersegler noch Star zum Zuge kommen und der allgemeine Bruterfolg gering bleibt. Bei den "Austreibungen" der Mauersegler fliegen diese so nah über dem Boden, mit dem Star so dicht auf den Fersen, dass man fürchten muss, es kommt zu einer Bauchlandung - mit fatalen Folgen für die Segler, denn wir sind ja nur selten da zum Beobachten und könnten die Vögel nicht aufheben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass hier die Stare fast die Oberhand haben, und das ist mir auch nicht Recht, denn der Turm wurde ja als Ersatz für die Mauersegler gebaut, und nicht als Neubauwohnung für Stare. Ich überlege, ob ich die Lautanlage in den Abendstunden einschalten lasse, um damit die Stare etwas zu verwirren. Außerdem plane ich für die nächste Brutperiode ganz fest ein, Starenkästen an den Bäumen zu befestigen. Da kommen die Segler nicht so gut hin, und vielleicht ziehen sich die Stare trotz Ortsgebundenheit dahin zurück, wenn sie dort ihren Frieden haben - wie gesagt, auch der Star soll in München einen Platz finden.

Es ist schon verrückt, der Turm bietet 42 Brutplätze, zwei nutzen die Stare, maximal 12 die Mauersegler, und trotzdem gibt es Streit. Fast wie bei uns Menschen.

Was halten Sie vom Einschalten der Lautanlage? Hatten Sie in Ihrer Kolonie je Probleme mit Staren? Können Sie die Überlegenheit des Mauerseglers bestätigen, falls ja, haben Sie Erfahrung, wie groß die Seglergruppe dann mindestens sein muss? Sollte man nachträglich in die Einflüge eine Starensperre einbringen (Sodass ein Tunnel 4x6 cm von etwa 5 cm Tiefe entsteht), oder führt die Nachrüstung dazu, dass die Mauersegler als Gewohnheitstiere wieder verwirrt werden und sich noch schwerer tun, hineinzukommen? Die Attacken sind ja auch zukünftig nicht auszuschließen.

Sie sehen, Herr Kaiser, Fragen über Fragen - ich hoffe, Sie finden eine Antwort. Der Mauerseglerturm ist für uns ein wichtiges Beispielprojekt, und daher bin ich besonders interessiert, dass er auch ein Mauersegler - Turm bleibt und sich die Kolonie erhält bzw. vergrößert.

Danke für Ihre Hilfe und viele Grüße,

S. Weber

Dipl. Ing. (FH) Landschaftsarchitektin Sylvia Weber
Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)
Projektleiterin Artenschutz an Gebäuden
Klenzestr. 37
80469 München
Tel. 089/200 270 83
Fax: 089/200 270 88
Mail: s-weber@lbv.de
www.lbv-muenchen.de

  E-Mail:  Antwort von Erich Kaiser
04.05.2009
 

Von: "Erich Kaiser" <520028569871-0001@T-Online.de>
An: "Sylvia Weber" <s-weber@lbv.de>
Betreff: Nachtrag
Datum: 04. May 2009 16:34

Liebe Frau Weber,

Eine beeindruckende Konstruktion, der sächsischen "Mauerseglerlaterne" nachempfunden! Sie schreiben:

Es ist schon verrückt, der Turm bietet 42 Brutplätze, zwei nutzen die Stare, maximal 12 die Mauersegler, und trotzdem gibt es Streit. Fast wie bei uns Menschen.

Hierzu möchte ich Ihnen ein menschliches Beispiel geben. Stellen Sie sich eine Neubausiedlung mit 50 hübschen Einfamilienhäusern vor und dann diese absurde Kaufempfehlung: Jeder Käufer hat freie Auswahl!

Können Sie sich das zu erwartende Chaos vorstellen? Die Interessenten schwärmen aus, können sich aber nur schwer entscheiden, sehen aber die Konkurrenten und besetzen schnell eines der Häuser, aus Angst anderer könne es ihnen wegschnappen. Mit anderen Worten, das totale Chaos!

Ähnlich ging es den Mauerseglern bei Ihrer Konstruktion: Bei dieser großen Auswahl können sie sich kaum für einen Nistplatz entscheiden. Ich habe das in meiner Giebelkolonie erlebt. Wenn ein Paar zusammen einfliegt, landen sie meist in einem Nistplatz. Dann fliegen sie einzeln ein mit dem Ergebnis, dass jeder in einem anderen Nistplatz landet und das führt zu großer Verwirrung. Ich habe daraus die Konsequenzen gezogen und immer nur 2-3 neue Nistplätze geöffnet. Erst wenn diese sicher besetzt waren wurden weitere Nistplätze geöffnet.

Nun zu Ihrem Problem mit den Staren: Am sichersten wäre es gewesen, alle Einflüge über Winter zu verschießen und den Staren, wie Sie das angedeutet haben in den Bäumen Nistkästen anzubieten. Erst wenn die Segler zurückgekehrt sind und anfliegen pro Seite maximal 3 Einflüge öffnen. Zu diesem Zeitpunkt brüten oder füttern die Stare in den Baumkästen und werden dort auch nicht von den Seglern belästigt. Dazu ist es aber nun leider zu spät!

Hier meine Erfahrungen: Wenn ein etabliertes Seglerbrutpaar zurückkehrt und in seinem traditionellen Nistplatz Stare vorfindet, bekämpfen sie diese mit großer Entschlossenheit und gewinnen diesen Kampf auch in den meisten Fällen. Wenn wie in Ihrem Fall die Segler noch nicht gebrütet und sich nicht einmal fest für einen bestimmten Nistplatz entschieden haben, sind sie bei ihrer Rückkehr weit weniger entschlossen, und dann setzt sich meist der Star durch. Ich würde auf jeden Fall die CD weiter laufen lassen und wenn möglich einen Teil der Einflüge verschließen um Verwirrungen zu vermeiden. Die Starenbruten werden entweder bald ausfliegen oder von den Seglern zerstört werden, danach sollten die Segler gute Chancen haben. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich weitere Stare für diese Möglichkeiten entscheiden, je nachdem wie groß die dortige Population ist.

Ich bin gespannt, wie sich die Situation in Ihrem Seglerturm entwickelt, nächstes Jahr werden Sie weniger Probleme haben, wenn Sie meine Ratschläge befolgen!

Mit freundlichen Grüßen

Erih Kaiser

Einen wichtigen Punkt habe ich vergessen: Offensichtlich haben Sie es den Staren zu leicht gemacht, Sie sollten die Einflüge verkleinern (ausgenommen die 2 mit den Starenbruten). Höhe 30 mm Breite 60 mm. Technisch ist das kein Problem: Sie schneiden eine Hartfaserplatte in Stücke 10 x 10 cm, und kleben sie mit Montagekleber (in jedem Baumarkt erhältlich) mit der neuen Fluglochgröße vor die zu großen Einflüge, raue Seite nach außen. Das sieht zwar nicht sehr schön aus, sollte aber das Hauptproblem lösen, denn die meisten Stare kommen da nicht durch, allenfalls sehr zierliche Individuen.
In meiner Giebelkolonie verwende ich seit Jahren die Schweizer Starensperre (eine "Schleuse" 33 mm hoch, 10 cm breit und 10 cm tief). Die Segler mit ihren kurzen Beinen laufen da ohne Probleme durch und die Stare mit ihren langen Beinen haben nicht die geringste Chance. Das setzt allerdings voraus, dass der Nistplatz genügend groß ist (Foto als Anhang).



Mit freundlichen Grüßen
Erich Kaiser

  E-Mail:  Frage
17.07.2006
 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Hans Benninghaus [mailto:hansbenninghaus@gmx.de]
Gesendet: Montag, 17. Juli 2006 08:23
An: Klaus Roggel
Betreff: Ausgeflogene Nestlinge

Lieber Herr Roggel,

da ich vermute, daß die diesjährigen Nestlinge der hiesigen Kolonie bereits ausgeflogen sind und sich als Jungsegler unter die hier kreisenden Eltern (die "adult birds") und nicht brütenden Jährlinge (die "non-breeding one year old swifts") gemischt haben, bemühe ich mich, die Jungvögel im Flug zu erkennen, und zwar an ihren hellen Federsäumen. Das gelingt mir nicht. Muß ich mich darüber wundern? Ist das überhaupt möglich? Was meinen Sie?

Ihr Hans Benninghaus

  E-Mail: Antwort von Erich Kaiser
18.07.2006
 

From: Erich Kaiser
To: Hans Benninghaus
Sent: Tuesday, July 18, 2006 2:44 PM
Subject: Re: Berliner Mauersegler IX

Sehr geehrter Herr Benninghaus,

Schon seit langem habe ich mir vorgenommen, vorgefertigte Antworten auf immer wiederkehrende Fragen bereitzustellen und bei Bedarf mit dem passenden Namen zu verschicken, aber bisher blieb es bei diesem Wunsch!

Ausgeflogene Nestlinge treten sofort den Zug an, sie beteiligen sich nicht an den Flugspielen um besetzte Nistplätze, daran haben sie keinerlei Interesse! Zudem können sie das typische sriii-srii noch nicht artikulieren, dazu sind sie erst im nächsten Jahr in der Lage. Der gute alte Brehm war sogar davon überzeugt, die ausgeflogenen Nestlinge würden von ihren Eltern in der Luft gefüttert, was glatter Unfug ist. Sie haben Recht, im Flug ist es fast unmöglich, Nestlinge von Altvögeln zu unterscheiden.

Wenn immer wieder behauptet wird, Nestlinge würden sich an den Flugspielen beteiligen, beruht dies auf Verwechslungen mit futterbringenden Brutvögeln, deren gefüllter Kehlsack leicht mit den „Weißgesichtern“ der Nestlinge verwechselt werden kann.

Ein Beispiel: In Spanien verunglückte ein ausgeflogener Nestling, und anhand seiner Ringnummer konnte man rekonstruieren, dass er drei Tage zuvor in Oxford ausgeflogen war. Er hatte sofort den Zug angetreten, während seine Eltern noch 14 Tage in Oxford verweilten, weil sie wegen schlechten Wetters ihr Reisegewicht noch nicht erreicht hatten. Ausgeflogene Nestlinge kehren niemals in ihren Nistplatz zurück, das wäre schon deshalb unmöglich, weil sie niemals in der Lage wären, beispielsweise bei meinen Koloniekästen den richtigen Einflug zu finden, und wenn sie in einen falschen einflögen, hätten sie ein ernstes Problem!

Wenn Sie feststellen, dass das ,wie sie sagen, fröhliche Seglersausen gegen Ende der Saison zunimmt, hängt das mit dem beginnenden Zugtrieb zusammen, dann kann man oft schreiende Seglerwolken von mehr als 100 Vögeln über meiner Kolonie sehen und hören.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Kaiser

E-Mail: Rückantwort
18.07.2006

  -----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Hans Benninghaus [mailto:hansbenninghaus@gmx.de]
Gesendet: Dienstag, 18. Juli 2006 20:51
An: Erich Kaiser
Cc: Klaus Roggel
Betreff: Re: Berliner Mauersegler IX

Sehr geehrter Herr Kaiser,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre prompte Antwort, zumal meine Frage zu den häufig gestellten Fragen zählt, die Sie erreichen. Meine Unkenntnis hat damit zu tun, daß man als interessierter Laie Mühe hat, grundlegende Informationen in zusammenfassenden Darstellungen über Mauersegler zu finden. Da scheint mir eine echte Lücke zu bestehen. Um so mehr freut es mich, Ihre kompetente Auskunft erhalten zu haben. Es würde mich noch mehr freuen, wenn Sie die Zeit fänden, Ihre Antworten auf immer wiederkehrende Fragen zu bündeln und zu einem Buch zu verarbeiten - zu einem neuen David Lack vielleicht, ein Buch, bei dem nicht ein Turm in Oxford, sondern ein Haus in Kronberg im Mittelpunkt steht! Lassen Sie sich dazu ermuntern!
Ich setze Ihr Einverständnis voraus, daß ich Klaus Roggel eine Kopie dieser Post schicke. Der wird sich so freuen wie ich.

Mit bestem Abendgruß aus Berlin, wo ich jetzt auf den Balkon trete, um bei schönstem Wetter die letzten Segler-Wochen zu genießen.

Ihr Hans Benninghaus

   Texte und Fotos: Klaus Roggel, Konstanzer Str. 4, 10707 Berlin, 2004
 Die Fotos wurden mit einer Nikon CoolPix 995 aufgenommen.  Copyright (c) Klaus Roggel
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  aktualisiert: 05. Juni 2014      home       zurück      weiter   
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